Emergency Medicine Day 27.Mai

Wir freuen uns, mit Euch heute den Emergency Medicine Day 2021 zu feiern. 

Bleibt der Notfallmedizin treu und verbreitet unsere Werte:

  • Verstärkte Ausbildung in der Notfallmedizin
  • Angleichung der Ausbildung in Notfallmedizin für Pflege, Ärzteschaft und Sanitätshilfe an das internationale Niveau
  • Weitere Vernetzung in der Notfallmedizin

Mit Eurer Hilfe können wir etwas bewirken!

 

YEMA Grundsätze – Wofür wir uns einsetzen

Die Notfallmedizin in Österreich wird stärker. Wir als YEMA haben für Euch nun unsere Grundsätze in dieser Infographik publik gemacht. Wir wollen die Notfallmedizin in Österreich vorantreiben und vor allem eine Awareness dafür schaffen, dass man in allen Bereichen der Notfallmedizin etwas verbessern kann. Unser Verständnis der Notfallmedizin endet nicht bei den Türen des Krankenhauses, sondern das Konzept der Notfallmedizin geht weit darüber hinaus.

Die Notfallmedizin ist für uns:

  • Notfallmedizin innerklinisch
  • Notfallmedizin präklinisch

Wir setzen uns für eine fachspezifische, österreichweite Notfallmedizin ein. Diese soll eine weiterführende Ausbildung oder im besten Fall eine Fachausbildung im Fach Notfallmedizin sein. Diese wünschen wir uns für:

  • PflegerInnen
  • SanitäterInnen
  • ÄrztInnen (innerklinisch, als auch präklinisch)

Unser Wunsch wäre es, dass in allen diesen Sparten die Ausbildung in der Notfallmedizin auf internationalem Niveau auch in Österreich angeboten wird. Dafür machen wir uns stark und dafür sind wir da.

Wir freuen uns auf Eure Anregungen und Ideen und hoffentlich bald auf ein Treffen zum weiteren Austausch.

 

A cute Dialysis – wir versüßen Euch die Dialyse mit einer neuen PocketCard zur Akutdialyse

Von der Intensivstation ist die Dialyse nicht wegzudenken. Manche Register geben an, dass etwa zwei Drittel der Intensivpatienten ein zumindest passageres Nierenversagen erleiden. Natürlich ist die Anzahl der PatientInnen, die ein Nierenersatzverfahren benötigen deutlich niedriger, wird aber immer noch mit bis zu 25% angegeben. Das ist eine ganze Menge und die Mortalität steigt bei der Notwendigkeit eines Nierenersatzverfahrens deutlich an.

Aber wann starten wir die Dialyse? Wo wird der Dialysekatheter am besten platziert? Und was hat es mit STARRT-AKI auf sich?

Hier findet ihr eine Pocketcard mit den wichtigsten Eckpunkten.

Pocketcard Akutdialyse YEMA

 

 

 

Sinustachykardie, pleuritischer Thoraxschmerz?

Warte, da war doch was! Das sind doch Zeichen einer Pulmonalembolie. Der Sonntag soll ganz im Zeichen der Erkennung einer Pulmonalembolie stehen. Nicht nur klassische Erkennungsmerkmale wie Sinustachykardie, bei Respiration stärker werdende Thoraxschmerzen, S1Q3T3 und SInustachykardie im EKG, sowie Rechtsherzbelastung dienen zum raschen Auffinden des allbekannten Chamäleons der innerklinischen und präklinischen Notfallmedizin.

Wir wollen Euch mit unserer PocketCard zum selbst Ausdrucken die Vortestwahrscheinlichkeiten d. GENEVA Scores (Revised) als auch der sogenannten PERC Rule in Erinnerung rufen. Diese helfen selbst langdienenden SanitäterInnen, PflegerInnen und ÄrztInnen, das Risiko zu beziffern, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Patient/eine Patientin an einer Pulmonalembolie erkrankt ist – um in weiterer Folge diese Wahrscheinlichkeit in Zusammenschau mit allen Befunden für die weitere Diagnostik und Therapie zu verwenden. In vielen Notaufnahmen wird es auch als Tool verwendet, um den Ausschluss einer PE zu untermauern.

 

YEMA Narkose Checkliste – Druckversion in the making

Sei es für eine Rapid Sequence Induction, eine Delayed Sequence Induction oder eine Controlled Rapid Sequence Induction, einen Plan für eine Narkose zu haben, schadet nie! Noch besser als einen Plan, den man im besten Fall auch dem ganzen Intubations – Team mitteilt, ist unserer Meinung nach eine Checkliste. Eine intra- oder prähospitale Narkoseeinleitung ist per se stressig genug, jede Möglichkeit zum kognitiven Freimachen sollte man somit ausnützen. Innerhalb von einer Minute kann unsere Checkliste dem gesamten Team vor der Intubation mitgeteilt werden, so dass alle helfenden Hände die notwendigen Utensilien parat haben und das Team ein gemeinsames Mindset teilt. In den nächsten Wochen werden wir auch eine Druckversion erstellen – habt Geduld!

Copyright @ YEMA; PocketCard RSI YEMA Vorderseite

 

Copyright @ YEMA; PocketCard RSI YEMA Rückseite

PocketCards 2.0

Im kommenden Jahr werden wir Euch mit noch mehr Referenzen, PocketCards und Beiträgen versorgen. Um das Warten erträglicher zu machen, hier vorerst mal ein Teaser.

YEMA Flyer Pocketcards 2021

The big sick – Tag 2 – Therapie von Schwerkranken/Schwerstverletzten innerhalb der 1. Stunde

Zermatt. Auf 1605 Höhenmeter liegt der Schweizer Ort am Fuße des Matterhorns. Umgeben von mehreren Viertausendern stellte er schon lange eine Idylle der Alpen dar. Touristen, Wintersportler, Bergsteiger finden sich hier jedes Jahr im Sommer als auch im Winter ein und gehen ihren Freizeitaktivitäten nach. Ab und an passiert auch ein Unfall hier, dann kommt die Air Zermatt ins Spiel, die Luftrettung der Zermatter Berge.

Bevor jedoch die Air Zermatt besucht wird, das passiert nämlich morgen, steht ein Tag mit weiteren spannenden Talks an. Neue Hybrid-Schockräume in Japan und ECMO sieht Zack Shinar als die Zukunft der innerklinischen Notfallmedizin an. Er wirkt bei seinem Vortrag beinahe wie ein Hollywood-Star.

REBOA bei traumatischem Kreislaufstillstand oder als Blutungskontrolle war gestern. In Norwegen stellt gerade ein ambitionierter Anästhesist sein PhD Projekt auf die Beine und organisiert REBOA-Einsätze bei nicht-traumatischem, prähospitalen Kreislaufstillstand. Seine These ist, dass durch den Minimal-Kreislauf (Ballon distal der linken Arteria subclavia) höhere ROSC-Raten erzielt werden können

ILCOR in Person von Prof. Charles Deakin (kennt man von den ERC-Guidelines) war auch vertreten. Die Paramedic2 Studie habe gezeigt, dass zwar öfters ROSC erzielt werde, das gute neurologische Outcome jedoch nicht signifikant häufiger war. Generell gebe man tendenziell zu viel Adrenalin, die Dosis von 1 mg wurde eben nie wissenschaftlich eruiert. Möglicherweise könne sogar eine kontinuierliche Gabe, z.B. mittels dirty epinephrine drip, Benefits bringen, so Deakin. Double sequential defibrillation könne mit dem Risiko angewendet werden, dass die Defibrillatoren Schaden nehmen. Weiters kann nicht genau eruiert werden, ob die 2 Schocks wirklich zur selben Zeit oder Millisekunden verzögert appliziert werden. Zum Ende seines Vortrages gab er noch im Scherz bekannt, warum er nicht „twittere“: „because then ILCOR would fire me.“

Als nächstes präsentierte das THOR Netzwerk aus Norwegen im völligen Kontrast zur gestrigen Lecture von Benedikt Lorenz ihren Zugangsweg zur Massentransfusion – nämlich Verwendung von WHOLE BLOOD (Vollblut).

In der norwegischen Marine werden alle Besatzungsmitglieder im Falle eines Angriffes bzw. im Falle von Patienten, die eine Massentransfusion benötigen, als „walking blood donors“ herangezogen. Jeder Soldat habe an der Rückseite seine schusssicheren Weste einen Blutbeutel, der eben im Anlassfall mit seinem Vollblut gefüllt werden kann. Die Soldaten werden vorab getestet, so dass die Blutbeutel bereits fertig beschriftet sind.

Dr. Spinella, ein pädiatrischer Intensivmediziner und ehemaliger Militärarzt der USA in Bagdad, gehört ebenfalls dem THOR Netzwerk an. Die theoretische DO2 mit den verschiedenen Massentransfusionsprotokollen sieht man anschließend. Vollblut solle hier einen Vorteil bringen und das Outcome verbessern – Studien dazu gibts es nur bedingt.

Nach der letzten Session traf man sich noch an der Bar des Hotel Alex und bekam von einem US-Paramedic und einem Pararescue Jumper der US-Airforce eine 2-stündige Einschulung auf die verschiedensten Tourniquets. Die Anwendung erscheint einfach, doch gibt es einige Pitfalls und Tipps/Tricks, die beachtet werden müssen. Jeden angelegten Tourniquet soll man demnach: 1. Optimal anlegen, 2. Reevaluieren (Lage, Festigkeit), 3. Downgraden (Nach distal verschieben; bei minimaler Blutung – Druckverband und Tourniquet entfernen)

So das war wieder unsere kleine Zusammenfassung des 2. Tages. Für morgen steht der Besuch des Heliports Air Zermatt an.

YEMA bei der „the big sick“ conference in Zermatt

Im Schweizer Skiort Zermatt ist sie wieder zusammengekommen, die Community der Notfall- und Intensivmedizin. Internationale Größen dieser Community präsentieren hier die neuesten Errungenschaften und die vielversprechendsten Studien. Es werden Workshops, Hands-On Trainings als auch Longline Training mittels Helikopter angeboten, und das alles unter der Schirmherrschaft der berühmten Air Zermatt.

Der erste Tag der Konferenz startete mit Dr. Michael Seltz Kristensen. Unter dem Motto „Waking up the patient is not an option“ wurden (seltene) Varianten des Atemwegsmanagement – z.B. die retrograde Intubation – Schritt für Schritt erklärt. Interessanterweise verwendet man dafür einen Epiduralkatheter und schiebt diesen retrograd nach oral. Weiter ging es mit Airway Management in der Intensivmedizin. Einen Plan für den „unexpected difficult airway“ zu haben und vor der Intubation kurz innezuhalten, bringt alle Teammitglieder auf die selbe Seite. Auf der ICU empfiehlt Dr. Soren Rudolph mehr Feng Shui zu erzeugen, da diese ein „terrible environment“ für die Intubation sei – Stichwort Platz schaffen.

Wenn Captain David Kelly über Helikoptereinsätze spricht, empfiehlt er, Piloten sollten eher älter, reif und runzlig sein – denn HEMS-Einsätze sind für alle Mitarbeiter stressig. Aber nicht für alle zur selben Zeit… (blau – Pilot, rot – Doctor, Paramedic)

Das Nachmittagsprogramm wurde von Prof. Tim Harris, Experte für Sonographie während des Kreislaufstillstandes, eingeläutet – er warnte vor schlechter inter-observer Reliabilität bei der Untersuchung von Asystolie. Daher soll immer der am besten trainierte Sonographer beim Kreislaufstillstand schallen. Auch laut den ERC Guidelines soll die Sonographie in der Reanimation erogen werden.

Nach einem Vortrag über prähospitale Amputation und prähospitale Anästhesie (Dose low, Paralytics high), gefolgt von einem Hühnerstall im französischen Schockraum (Team leadership!!!) und über Bell’s Helikopterflotte, war wieder Tim Harris an der Reihe. In seinem Dogma der frühen Resuscitation im traumatischen Schock plädiert er für einen kompletten Verzicht von Kristalloiden und schlägt vor, lediglich Blutprodukte zum Wohle der Blutgerinnung des Patienten zu geben. Dem gegenüber stand Dr. Benedikt Lorenz aus dem „Ruhr Pott“ (Studium an der MedUniGraz), der eine ROTEM gesteuerte, Faktoren- und Fibrinogen-basierte Therapie von Trauma-Patienten anwendet. An seiner Klinik in Essen werden zeitlich versetzt mehrere ROTEMs für einen Patienten durchgeführt – damit können Blutprodukte massiv eingespart werden. Für manche Teilnehmer aus den USA war dieses Konzept nicht sinnhaft genug – eine spannende und emotionale Diskussion wurde im Anschluss an diese Vorträge geführt, in der sich die unterschiedlichen Paradigmen noch stärker darstellten.

ECMO darf natürlich auch nicht fehlen…

So, das war die kurze Zusammenfassung vom 1. Tag der „the big sick“ conference. – 2 weitere interessante Tage werden folgen. Wir halten euch auf dem laufenden.

Indikation für NIV und Respirator im NAW oder NEF, aber sowieso gleich in der Notaufnahme?

Ein kurzer Transportweg ist kein Grund, nicht-invasive Beatmung (NIV) einem Patienten vorzuenthalten.

Das propagiert zumindest eine Studie aus Deutschland, die im American Journal of Emergency Medicine publiziert wurde. Hier wurden Patienten mit respiratorischer Störung (Lungenödem, COPD) mittels CPAP, CPAP + ASB (assisted spontaneous breathing) oder mit BIPAP (bilevel inspiratory positive airway pressure) behandelt und diese mit einer Gruppe verglichen, die keine Beatmungstherapie bekam.

Es zeigte sich ein Vorteil für die Patienten mit NIV Therapie jeglicher Art, selbst wenn der Transport bzw. die prähospitale nicht-invasive Ventilation nur im Schnitt 15 Minuten betrug. Sie schlossen jedoch nur aufgrund von günstigen Surrogatmarkern auf ein verbessertes Outcome.

Die Studienautoren empfehlen daher, jeden Patienten mit COPD-Exazerbation oder kardiogenem Lungenödem (bei hämodynamischer Stabilität) nicht-invasiv zu beatmen, auch wenn der Transport sehr kurz ist.

Studie:

https://www.ajemjournal.com/article/S0735-6757(18)30557-6/fulltext

Hier noch ein von Joseph Pultar verfasster Artikel auf #DasFoam über NIV:

 

NIV Teil I

NIV Teil II